ManKind Project

Die Reise meiner Heilung führte mich zur Männerarbeit. Irgendwo las ich einen mich sehr tief berührenden Artikel darüber wie wichtig Männerinitationen sind, wie wichtig es ist, sich mit ebendiesen von der Mutter zu lösen auf dem Weg zum Mann-Sein, dass es Standard ist in naturnahen Ethnien und Gruppen. Und dass solch ein Ritual nochmal eben viel wichtiger für den Jungen ist als für  ein Mädchen, da beim letzteren auch der Zyklus eine Starke Rolle beim zur Frau werden spielt.

Und ja für mich gab es diese energetische klare Abnabelung leider nicht. Leider gibt es bis ins hohe Erwachsenalter einen Anteil, der mit der Mutter immer noch verstrickt ist. – Ich stelle mir vor, wie ich gerade bewertet werde, dafür dass ich das schreibe. Schaut hin, es ist nicht mein individuelles Thema, es ist ein kollektives Thema, vielleicht gibt es auch einen unbewussten verstrickten Anteil hinter der Bewertung mir gegenüber. –

Ich war auf der von John Aigner und seinem Team organisierten Mann Sein am ersten Wochenende im Juni 2018. Da gab es zwei Info-Stände zu dem Thema Männerinitiationen. Ich hatte ein Infogespräch beim ersten und las mir anschließend die Broschüren mit 7 Männerarchetypen durch, was stark resonierte. Ich lag dann im Hintergrund auf einer Couch und fühlte mich und meine Widerstände zur Männlichkeit, während ich parallel im Hintergrund den Vortrag bspw. von Gerald Hüther lauschte. Von dem anderen Stand, der zu MKP Deutschland gehörte, nahm ich nur Informaterial mit.

Am Samstag Abend lief ich allein und verbunden mit meinen Thema, Schwierigkeiten zu haben mit Männern in einem normalen freundschaftlichen Kontakt zu sein, zum U-Bhf. Alt-Tegel und wartete in der Bahn. Drei Männer von der BVG-Security kamen und wollten einen Mann rausziehen, es ging um eine Energydrinkdose, die er angeblich geklaut haben soll. Er weigerte sich, verhielt sich widerspenstig, (Meine Erinnerung ist nicht klar, ich glaube er erwähnte einen Kassenbon und ich glaube, ganz am Ende des Prozesses gehört zu haben, dass er sie doch nicht geklaut hätte, aber es kann auch sein, dass es sich jetzt einfach um einen Dieb handelte). Als an der Endstation das Losfahrsignal ertönte, wurden sie körperlich grob und zogen ihn raus. Ich beobachtete und blieb ruhig, für einen Teil in mir war es auch OK, dass sie im Rahmen ihrer Arbeit auch körperlich wurden, da sie ja nur mit nett Reden nicht weit kommen und es auch für den betroffenen Mann auf ner spirituellen Ebene OK sein kann mal körperlich ne Grenze zu spüren. Dann sah ich aber eine massive Gewalteinwirkung auf den Mann, bspw. wurde massiv auf das Genick Druck ausgeübt und dann triggerte es mich. Energie und entsprechend andere Anteile kamen in mir hoch: Weltretteranteile, Autoritätshass, Gerechtigkeitssinn, Selbstgerechtigkeit, Wut aufgrund von eigenen Erfahrungen mit Übergriffen durch Polizei u.Ä., Anteile, die ich mal Zivilcourage nenne, Anti-Gewaltanteile. Keine Ahnung, ich bin da nicht klar, auf jeden Fall entschied sich mein System, sich einzumischen. Ich stellte mich in die Tür und redete auf die Leute ein, um die Gewalt zu spiegeln. Ich verbalisierrte was ich wahrnahm und was ich mir wünschte. Eine Fahrgästin war genervt, davon, dass ich in der Tür stehe, nach zweimal klingeln entschied ich mich auszusteigen und den Mann nicht alleine zu lassen. Ich zückte mein Handy, um den Vorgang zu dokumentieren, währenddessen redete ich weiter in die Situation hinein, mit der Intention, die Gewalt zu stoppen. Der Dritte Securitymann stellte sich immer vor mich, so dass ich das Geschehen nicht filmen konnte und forderte mich immer wieder auf, das zu lassen und zu gehen. Das ärgerte mich, weil sie mit ihrer Arbeit transparent sein sollten, sich nicht verstecken sollten. Aber offensichtlich ist das eintrainiert da ich erlebte, dass Polizist_innen bspw. genauso vorgehen. In der Diskussion erwähnte er dass er mit den Überwachungskameras genug transparent sei, aber wer entscheidet darüber, was wann veröffentlich wird. Ich als Teil der Öffentlichkeit habe keine Kontrolle über die Überwachungsbänder. Irgendwann griff der Securitymann mein Handy und versuchte es mir aus der Hand zu reißen, ich drückte meine Hand zusammen, um es festzuhalten und konnte es nach einigen Sekunden von ihm losreißen. Der Display war zersprungen aufgrund des starken Drucks von uns beiden. Ich war fassungslos. Da mischte sich Wut auf den Mann, mit Ärger auf mich, dass ich durch meine Entscheidung, jetzt die Konsequenzen eines kaputten Handys zu tragen hatte. Die Polizei traf irgendwann ein und war letztendlich nicht weniger brutal und wendeten ebenso diesen Genickgriff an. Ich war zwar auf verbale und körperliche Präsenz aus, habe aber nicht körperlich oder mit Gewalt eingegriffen. Als ein Polizist sich um mich kümmerte und ich ja als Zeuge und Opfer mit ihm sprechen wollte, spürte ich eine massive Antihaltung. Die Augen waren geweitet, er war hochgepusht und ordnete mich als gefährlich ein, weil die Security-Männer ja auf mich verwiesen. Entsprechend hart war seine Kommunikation, was mich verletzte, weil ich das Bedürfnis nach einer neutralen Polizei hatte, die mir zuhört. Aber da war komplette Solidarität zwischen Security und Polizei, ich war der Feind. Der Polizist reagierte sofort verachtend und negativ, darauf, dass ich gefilmt habe. Klar er als Polizist ist davon sicherlich auch getriggert. Ich wollte eine Anzeige machen wegen Sachbeschädigung, der Securitytyp machte eine Anzeige wegen Urheberechtsverletzung (!), weil ich ihn filmte und Hausfriedensbruch gegen mich. Und Anfang Juni, war kurz nach der DSGVO und den entsprechenden Debatten in den Medien. Ich spürte die machtvolle Power hinter seiner Ankündigung. Ich war klar in dem Moment, dass ich absolut keine Lust auf diese juristische Auseinandersetzung hatte und dass vor allem, weil ich keine Lust hatte, Termine wahrzunehmen. Ich bot geistesgegenwärtig den Deal an, meine Anzeige zurückzuziehen, wenn er seine zurückzieht. Ich wusste, dass jetzt Demut angesagt war, jedes weitere Kämpfen, wäre zu meinem Nachteil. Er willigte ein, wenn ich das Video lösche. Ich musste es vor den Augen des Polizisten löschen, mein Handy funktionierte ja glücklicherweise immerhin noch. Ich stieg in die Bahn auf der gegenüberliegenden Seite ein und war völlig fertig. Eine Frau regte sich auch auf und war solidarisch mit mir. Ich fühlte ne Ohnmacht, ne Hilflosigkeit, ich habe gerade Staatsgewalt und die Power einer Institution zu spüren bekommen und fühlte „Ungerechtigkeit“. Sie hatten Machtspielchen verstanden und konnten mich zwingen eine Dokumentation, ein Festhalten von Wahrheit zu löschen. Ich bekam Autorität zu spüren und werde beim nächsten Mal noch genauer nachdenken, wenn ich Ungerechtigkeit durch Autorität erlebe, eine Angst wird mich steuern und es entstehen mentale Gedankenkette darüber wie krass Angstregime/Diktaturen funktionieren und wie machtlos Menschen gegen Institutionen sein können, die dann den Öffentlichen Raum und das Zusammenleben beeinflussen und dass wenn diese Dynamik ersteinmal in Fahrt ist und die Angst genug Kontrolle hat, dass es irgendwann ein Selbstläufer wird in der Abwärtsspirale.

In der U-Bahn kam dann ein Mann auf mich zu. Er war auch von der Mann Sein Konferenz, er holte mich zu seiner Sitzgruppe, die aus 5 Männern bestand. In mir war Scham und Angst in Kontakt mit Männern in Kontakt zu gehen. Scham darüber, da ich ja auch wusste, dass unverarbeitete pubertäre und rebellische Anteile mein Verhalten beeinflusste und das Wissen, die spirituell-mentale These, dass mein Autoritätsthema mit nem unverarbeiteten Vaterthema zu tun haben könnte. Da war auch Angst vor Dissoziationen, Angst durch reden „müssen“ aus den intensiven Gefühlen rauszuspringen. Aber ich nahm die Einladung an, weil ich auch keine Argumente fand sie abzulehnen und auch nicht die Power dazu gehabt hätte nein zu sagen.

Es war ein Geschenk vom Universum, dass es diese 5 Männer waren, die den MKP-Stand betreuten. Ich bekam Raum zum Sprechen/männlichen Halt, Solidarität und Mitgefühl. Es tat mir gut, ich fühlte mich nicht alleine. Wir waren dann am U-Bhf. Seestr. noch etwas Essen/Trinken und ich erinnerte mich, dass ich weinen musste als ein Mann zu mir meinte: „ich glaube du bist hochsensibel“. Ich habe mich so gesehen gefühlt mit meiner Verletzlichkeit/Sensibilität, mit meiner Wahrnehmung. Ich hatte diesen Mann nicht in meiner Kindheit, der das sieht.

Ich erfuhr von der I-Group, die sich am 2. und 4. Donnerstag trifft und dass Anfang Juli eine Männerinitation stattfindet. Der zweite Donnerstag ist offen, der vierte nur für initiierte Männer. Ein Teil in mir resonierte mit der Männerinitation Anfang Juli und so entschied ich mich (gegen Ecstatic Dance dazu) zu dem offenen Donnerstag zu gehen, um diese Arbeit, die Energie, dieses Projektes noch ein wenig kennenzulernen. Und ja es war schwer für mich dort zu sein, aber es war ein Raum, wo ich sein durfte und mich mit meinen Schwierigkeiten (Dissoziation, Angst in Kontakt zu gehen, Erschöpfung) zeigen konnte.

Ich zögerte die Entscheidung an der Initiation teilzunehmen hinaus. Zum einen, weil ich mit meinem 39 Stunden Job nah an einer Erschöpfungsdepression war und zum anderen, weil es 600€ kostete.

Mein Inneres entschied sich zwei Tage vorher doch teilzunehmen und es war die richtige Entscheidung, auch wenn ich einen Teil der Initiation nur eingesunken in meiner Erschöpfung auf dem Boden lag. Es war ein volles und gut gehaltenes Programm auf einem exklusiv gemieteten Burg-Gelände. Es war die 600€ wert.

Jetzt gibt es einen Teil in mir, der natürlich gerne darüber schreiben würde, was passiert ist, aber ich habe unterschrieben, dass ich nicht über die Methoden sprechen werde. Es soll ja schließlich eine Überraschung sein. Ein Mann erzählte mir letztes Wochenende, dass seine erste Ayahuascareise die beste war, weil er fast nichts wusste über die Wirkung und er froh war, denn hätte er zuviel gewusst, hätte sein Ego Zeit gehabt zu Blockadestrategien zu entwickeln.

Ich kann aber sagen, welche Wirkung es auf mich und vor allem auf meinen Inneren Raum hatte. Es wurden Glaubenssätze sichtbar, wie „Ich bin mir egal, weil ich meinem Vater egal war.“ und „Ich bin in mir abwesend, weil mein Vater abwesend war.“.

Die Arbeit im New Warrior Adventure Training öffnete ein Licht in mir, welches mit meinem Vater verbunden ist. In einer Trancereise nach dem Wochenende konnte ich mich mit dem Licht connecten und es wurde zu einer Lampe in meinem Inneren Wohnzimmer, das für meinen Inneren Raum steht. Der Innere Mann ist ständig im Außen gewesen (mit dem Fokus bei Frauen auf der bedürftigen Suche nach Liebe oder bei Gruppen, Raumhaltern, anderen Menschen auf der Suche nach Anerkennung) Dieses Lampe führte dann dazu, dass der Innere Mann im Wohnzimmer Platz nehmen konnte und es aushielt sich dort aufzuhalten. Und nein, es war kein Dauerzustand. In meiner Alltagsidentität, rutsche ich schnell in alte Muster und ich muss mich meditativ anstrengen, da wieder hinzukommen. Ich bin dankbar für diesen Fortschritt. Wieder, wie so oft, fühlte es sich wie ein Riesenschritt an, aber wenn ich dann wieder mental auf mein Gesamtpaket schaue, ist es nur ein winziger Schritt gewesen. Die Reise geht auch nach dem Wochenende weiter.

So entschied ich mich gleich die nächste Initiation Mitte September 2018 zu nutzen, um auf der anderen Seite zu stehen und zurückzugeben. Es war mir wichtig es gleich zu machen, wo meine Initiation und meiner Erinnerungen an den Ablauf noch frisch sind. Und es war mir eine Ehre, den Raum zu halten für Männer, die sich auf den Weg gemacht haben. Es war eine Herausforderung für mich und für mein Ego, ein kleiner Teil eines größeren Ganzen zu sein in einem Team mit Hierarchien anstatt bspw. mit meinen Workshops ein großer Teil von einer kleinen Sache zu sein.

Ich bin Dankbar und jetzt fühlt es sich abgeschlossen und rund an. Ich bin jetzt Vereinsmitglied von MKP, die weltweit 80.000 Männer initiierten und in Deutschland 2.000. Ja, ich möchte diese Männerinitation von Herzen jedem Mann empfehlen. Ja, ich beobachte in mir den Satz „jeder erwachsene Mann sollte solch eine Männerinitiation gemacht haben“ – egal welchen Alters.

Aho

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4 Antworten zu ManKind Project

  1. Terje Lange schreibt:

    Lieber Christian,

    danke für deinen Beitrag. Ich finde es schade, dass ich nur kurz am Anfang auf der Bettenburg war und dann leider wieder gehen musste. Gerne hätte ich mich noch ein wenig mehr mit Dir unterhalten. Ich bin froh, dass ich damals meinem Impuls folgte Dich zu fragen ob du hochsensibel bist. Und ich bin Torsten dankbar, dass er sich in der S-Bahn zu uns geholt hat.
    Ist es okay für Dich, wenn wir deinen Blog-Beitrag unter den Erfahrungsberichten auf der MKP-Webseite verlinken? Ich finde mehr Männer sollen das lesen, wenn sie unsere Seite erreichen.
    Berührt, stolz, demütig.

    Umarmung,

    Terje

  2. deingruenerdaumen schreibt:

    Gratuliere auch! Möge Dein Mannsein zum Segen werden, zum Segen für Dich und Deine Mitmenschen und die ganze Mitwelt!

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