Wut über den Wunsch des Vaters mich abzutreiben.

Ich habe Lust zu schreiben. Gerne über meine Prozesse. Ja, auch gerne öffentlich.

Es ist nur schwer, es nicht zu vermixen. Gerade ist ein FB-Posting aus mir herausgeflossen. Mein Prozess den ich hatte ist vermixt mit einem Workshop-Feedback und Werbung fürs Creators Game. Das gab mir irgendwie Power zum Schreiben. Aber für einen Blogeintrag reichts.

Ich war am Freitag beim Transformationsworkshop für Hochsensibilität, nach einer 39 Stunden-Arbeitswoche, erschöpft, angespannt und getriggert. Ich komme im Raum an und erfahre, dass es erstmal ne Halbe Stunde Ankommenszeit gibt. In dieser spirituellen Yoga-Raum-Raumenergie, wo es Matten gibt, lege ich mich hin und entspanne mein System. Die Gefühle, die ich im Alltag, meist durch Zucker wegdrücke, kommen hoch.
 
Ich kenne meine Prozesse. Ein sich endlos anfühlender Schmerzkörper. Ich gehe täglich rein und täglich unterdrücke ich ihn auch wieder, da mein Ego in der Alltagsidentität funktionieren möchte. In mir ist Frust darüber, dass ich durch das Elternthema trotz 7 Jahren spiritueller Szene immer noch nicht durch bin.
 
Viele Innere-Kind-Anteile sind noch so voller Schmerz, dass sie noch nicht vergeben können. Dieses mal ging ich ins innere Embryo, wie in einer Systemischen Aufstellung. Ich bekam energetisch mit wie mein Vater, der vor meiner Geburt weg ist, den ich nie gesehen habe, nichtmal ein Foto von ihm, von meiner Mutter wollte, dass sie abtreibt. Er war Afghane und durfte aus kulturellen Gründen keine Nicht-Ehelichen Kinder haben.
 
Ich spürte meine Todesangst, meine Urverletzung, dass der Mensch nach dem ich mich eigentlich sehne, von dem ich mir Liebe erhoffe, mich töten lassen wollte. Es fällt mir schwer in die Liebe, ins nicht-bewerten zu gehen. Auch meinen Tod, meine Nichtexistenz zu akzeptieren. Nein, ich (Mein Ego) liebe meine 35 Erdenjahre, die ich in dieser Inkarnation bin. Ich bin so fucking froh, dass ich dieses geile Leben erleben darf. Trotz diesem Schmerz, den ich jeden Tag in mir trage, bleibt es ein fairer Deal. Ich möchte dieses Leben nicht missen.
 
Als der Workshop losging lud uns Thomas ein, so zu sitzen oder liegen wie wir wollen. Er lud uns ein, „ganz Mensch zu sein“. Ich nahm die Einladung an, legte mich hin und machte, was ich gelernt habe und was ich mich in einem Workshopraum traue anders als im Alltag. Ich fühlte. Ich fühlte meine Wut. Ich gab ihr in meinem Raum Platz und sie war megapräsent. Ich agierte sie nicht nach Außen und blieb mit geschlossenen Augen mit mir und meinem inneren Raum und meiner Wahrnehmung vom äußeren Raum in Kontakt. Letzteres ging nur sehr passiv. Ich lauschte einfach Thomas Einstiegsreferat.
 
Thomas lud zu einem drei Worte Checkin ein. Ich hakte nach, ob er es wirklich so meinte, oder ob es sinnbildlich für kurzes Checkin steht. Ich kenne mich, ich weiß, dass ich freies Sprechen brauche, dass es mich fertig macht, wenn mich der Raumhalter so einengt in meinem Ausdruck. Ich bin als Hochsensibler in nem Hochsensibilätsworkshop und darf mich jetzt nur in drei Worten Sichtbar machen? Mich strengt schon die Alltagskommunikation an, wo ich soviel von meiner Wahrnehmung weglassen muss, weil es meine Gegenüber überfordert. Es challengend mich sehr. Nachdem mein Vorredner drei Worte gesprochen und eine Pause gemacht hat, sprach ich meine drei Worte. „Wut auf DreiWorteCheckInRegel“ Die nächste wollte gerade ansetzen zu sprechen, da ging mein Vorredner gefühlt vorwurfsvoll mit mir in Kontakt und sagte, dass er sich abgewürgt fühlte. Ich fühlte mich angegriffen, da ich natürlich die Aussage implizierte, dass er meint, dass ich ihn abgewürgt hätte. Ich teilte ihm mit, wie ich es wahrnahm, dass er drei Worte gesprochen hatte, dass er eine Pause gemacht hätte, dass ich explizit nachhakte, ob die Regel auch so gemeint war. Mich triggert es, wenn ich versuche mich an die Regel zu halten, der Raum aber Abweichungen toleriert, denn dann fängt mein Mind auch in diesem Unklaren Raum an, seine Spielräume zu erkunden.
 
Ich springe für den Kontakt mit der Person einerseits in den Mentalkörper, in mein Ego, in meine Sachliche Angriffs-/Verteidigungsenergie. Andererseits bleibe präsent mit dem was da ist. Ich unterdrücke meine Wut nicht, denn dann würde ich passive Aggression in den Raum senden. Ich bin spürbar, ich bin präsent und transparent, so habe ich es gelernt. Der Raumhalter greift nicht ein. Nachdem wir uns ausgetauscht haben, geht es weiter. Eine andere Teilnehmerin, sagt, unabhängig von dem drei Worte Checkin einleitend, auf die Situation beziehend, dass sie sowas nicht erwartet hätte. Einige im Raum sind getriggert, ich fühle mich bewertet, nicht gesehen, nicht verstanden. Mit einem freien Checkin wäre es leichter gewesen. Ich hätte verbal transparent machen können, wo ich gerade bin, wo ich stehe, die Leute hätten mich besser einordnen können, sie hätten die Angst vor mir verloren, da sie anhand meiner Worte erkannt hätten, dass ich im Prozess bin, ich den aber klar bei mir lasse.
 
Thomas sprach später kurz draußen mit mir, dass er überfordert mit meiner Wut war, dass sie zu präsent war, zu stark für den Raum. Zwischendurch ist mein Ausgrenzungsthema angetriggert, dass ich wieder aus dem Workshop geschmissen werde.
Tja, sorry, Leute, ich muss den ganzen Tag mit dieser Wut rumrennen und sie verschwindet nicht einfach. Wegdrücken ist ungesund und funktioniert ja bekanntlich nicht auf Dauer.
 
Der Workshop besteht dann eigentlich nur aus einer Partner_innenübung, in dem wir frei waren „das beobachte Spiel“ zu spielen“ oder uns zu unterhalten, wenn das unser Flow ist. Hier war mir der Rahmen wiederum zu frei. Gefühlt waren wir eine Stunde in der Übung. Ich circelte mit meinem Partner, er war nicht präsent und mit seiner Wahrnehmung viel im Außen. Auch schon als die Übung vorgemacht wurde, kam als Antwort auf die Frage was die Teilnehmerin denn wahrnimmt, die Antwort „nichts“. Ich bemerkte, wie ich das bewerte, wie ich vergleiche, dass ich in meinem Inneren Raum viel mehr wahrnehmen kann als die beiden Personen.
 
Ich spürte energetisch wie sich mein Partner klein machte und mich dadurch energetisch größer (Vielleicht auch andersrum, aber nicht bewusst.). Ich verbalisierte das und er resonierte. Wollte das auch nicht ändern. Also blieben wir mit unserer Wahrnehmung bis er dann anfing über die Situation zu sprechen und mich teachen wollte. Dass meine Art und Weise ja falsch gewesen wäre. Er war so ein weicher Harmonietyp, genau auch eher wie Thomas. Es bringt nichts seine Erkenntnisse oder Kommunikation auf mein System, auf meine Realität zu übertragen. Ich hatte Widerstände und tauschte mich dann mental aus, während ich in meiner Wahrnehmungspräsenz blieb.
 
Ich bemerke, wie ich auch bewerte, wie ich es als „lame“ empfand. Die Übung, das Setting, die Überforderung, die Wahrnehmung der anderen „Hochsensiblen“. Es bringt meiner Meinung nach auch nichts nur im Circling zu bleiben und einfach nur liebevoll wahrzunehmen was ist, es nicht verändern zu wollen. Meistens funktioniert es ja im Circling, dass Felder sich öffnen und sich die Dinge begradigen, dass festhaltende Anteile wieder ins Fließen kommen. Dafür braucht es aber auch einen entsprechenden Raum, der diese Prozesse passieren lässt. „Normalerweise“ (bzw. Meiner Meinung nach wäre es besser,) hätte es einen Prozess geben müssen, der dazu führt, das mein Partner und ich unsere ungleichgewichtigen Anteile lösen und am Ende uns auf Augenhöhe begegnen. Es fehlte aber neben der einfach nur liebevollen, wahrnehmenden und fließenden Instanz, die eingreifende, die aus einer höheren Perspektive schauende, die coachende, die Raumgebende und in Prozesse-einladende Instanz. Wahrnehmen was wirklich ist und in Prozesse gehen, die dich befreien in Kombination führen dich in eine Tiefe, wo das Wort Liebe wieder mit einer anderen Bedeutung übersetzt werden kann. Ein ganz andere Zustand von Liebe, den vermutlich nur wenige kennen.
 
Ich habe viel erlebt an Raumhaltung und es bleibt dabei – ich wiederhole mich – dass das Creators Game für mich wirklich der bisher einzige erlebte Workshop ist, der die eben von mir beschriebene Tiefe erreicht. Radikales Dasein mit dem was ist und von dort losarbeiten in Richtung Loslassen, Befreiung und Integration. Angello Clemente hat so ein feines hochsensitives Gespür für die Anteile, die mesnch festhälst, dass er sie geschickt antriggern kann und dich einlädt damit emotional in Kontakt zu gehen und dich durch Ausdruck davon zu befreien. Jedes Mitglied im Raum ist Teil des Raumes. Wenn einer blockiert, blockiert anteilig auch der Raum, wenn einer durch einen Prozess durchgegangen ist, dann schwingt die gesamte Raumenergie höher und es ist für die anderen Teilnehmer_innen leichter sich zu spüren und auch in den Prozess zu gehen.
 
Ich freue mich. Für mich wird das der Workshop des Jahres 2018. Schwer zu erklären, dass muss mensch erlebt haben.
 
 
Die Leute gaben am Ende des Workshops durch und durch positive Rückmeldung. Sie waren voll zufrieden mit dem was passiert war, obwohl manche eigentlich nur einfach ein Gespräch geführt hatten. Ich nahm es zur Kenntnis und bemerkte wieder meine „lame“-Bewertung. Gleichzeitig war ich auch dankbar und zufrieden, dass ich einen Raum hatte, wo ich mir erlaubte zu fühlen, mich spürbar zu machen und mir somit auch ein Bedürfnis erfüllen durfte, gesehen zu werden.
 
Und es geht mir nicht darum zu faken, sympathisch zu sein, den richtigen Ton zu treffen, wenn ich das nicht bin. Ich will nicht mit einer mental, den Konzepten von richtig folgenden Maske gesehen werden, ich will mit meinen wahrhaftigen Schatten gesehen werden und diese dadurch ins Licht und in die Liebe zu bringen.
 
Aho.
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