Für die Abschaffung der Ehe!

Vorneweg möchte ich teilen, dass mein realpolitischer Anteil sich sehr freute über die Nachrichten der letzten Wochen. Volker Beck vom linken Flügel der Grünen bescherte dem machtorientierten schwarz-Grün orientierten Realo-Flügel noch ein Abschiedsgeschenk und machte die „Ehe für alle“ per Parteitagsbeschluss zu einer Koalitionsbedingung. (SPON, 17.6.17)

Ein paar Tage später legte Christian Lindner nach. (SPON, 24.06.17)

Bevor dann Merkel beiläufig auf einer Podiumsdiskussion das Thema zur Gewissensfrage erklärt und die SPD das für ein taktisches Manöver nutzt. (SPON 27.6.17) Einerseits gute Aktion von der SPD, aber andererseits führt genau dieses Ausnutzen von kleinsten Rhetoriken eines/einer Spitzenpolitikers/in dazu, das sie noch vorsichtiger und somit unauthentischer werden müssen in dem was sie sagen, was wiederum zu diesem Floskelhaften Phrasen-Sprechen führt, das dazu führt, dass sich viele Menschen von der Politik abwenden.

Mein realpolitischer Anteil spricht auf jeden Fall nochmal deutlichen Respekt vor Angela Merkel aus. Was für eine Führung einer großen Nation, was für eine schwierige Rolle und welche Aufgaben sie dort meistert mit allen Machtspielchen die dazu gehören. Sie repräsentiert so etwas abstraktes wie die „gesellschaftliche Mitte“ als Kanzlerin unglaublich gut und musste, weil sie ja leider die Rolle als Kanzlerin und CDU-Vorsitzende nicht trennte die CDU mit in die Mitte ziehen. Atomkraft, Bundeswehr, Mindestlohn, Ehe für alle. Das hat systemisch natürlich zur Folge, dass Platz für die AFD gemacht wurde, aber dennoch war es richtig, dass sie die CDU als Kanzlerin in die Mitte zieht und versucht wurde die rechteren Wähler_innen halt über einen Horst Seehofer zu binden.

Nichtsdestotrotz bestehe ich aus viel mehr als diesem realpolitischen Anteil. Ich sehe wo die Gesellschaft steht und dass die Ehe für alle anscheinend was großes ist und wo ich mich als Individuum mental von meinen Gedanken und Werten hinbewegen kann. Es gibt andere Anteile, die langweilt das Thema, es gibt wichtigeres und es macht mich traurig, dass das eins der letzten Dissensthemen war, dass die großen Parteien nicht mehr zu unterscheiden sind und es bei den großen Fragen Waffen, Krieg, Nato, Russland usw. Demokratie (5% Hürde, Volksentscheide), EU, Fleischsubventionen usw. offensichtlich kaum noch Diskurs besteht. Mich langweilt die Wahl, mich langweilen Schulz und Merkel, mich frustriert es zu wissen, dass ich eine Kleinpartei wählen werde, die wegen der 5% und meine Stimme hinterher eh als ungültig gewertet wird.

Zurück zur „Ehe“ Allein dass die Ehe existiert ist, anders als ich dachte, kein Überbleibsel der Religion, sondern eine Kreation des Patriarchiats.

Ich resoniere nicht so stark mit der Ehe. Weiß selber nicht genau, ob meine Werte sich durch ein Bindungsthema von einer göttlich-religiösen Wahrheit wegverzerrt haben, oder ob es nicht wirklich auch OK ist, wenn die Menschen ihr Leben auch ohne ein Eheversprechen leben.

In einer Hausarbeit während meines Studiums habe ich erarbeitet, dass die Ehe ein soziales Konstrukt ist, ein kollektives Glaubensmuster, das bspw. durch Medien sowie staatliche, religiöse und kulturelle Regeln geprägt wird. Der Islam wusste schon, dass er eine sehr kriegerische Religion sein wird und in Folge dessen die Männer fehlen werden, also beschloss ein Mohammed, klug wie er war, dass es eine göttliche Entscheidung ist, dass Männer vier Frauen haben dürfen, damit die Frauen nach einem Krieg versorgt sind. Ich war mal bei einem Vortrag der angeblich so progressiven islamischen Strömung der Ahmadiyya-Gemeinde, wo ein Mann sich als todkrank vorgestellt hat und gesagt hat, dass er seiner Frau erlaubt hat sich jetzt schon einen zweiten Partner zu suchen. Mich hat die Geschichte berührt und so tief erschüttert, dass es aus islamischer Sicht weiter als Sünde deklariert wurde. Anwesende Frauen verteidigten empört diese Regelung, da ja Männer nunmal eifersüchtiger seien als Frauen.

Hinzu kommt, dass weltweit viele Zwangsehen bestehen, die dann so drin sind in Kulturen, dass sie nicht in Frage gestellt werden. Sowohl in islamischen Räumen wie auch in Regionen in denen Linksfaschist_innen wie die Roten Khmer tobten und wo es um quantitativen sozialistischen Nachwuchs ging. Auch die romantische Liebe, die vor allem bei uns im Westen durch Hollywood im kollektiven Bewusstsein sitzt ist in vielen Teilen der Erde keine Normalität. Da werden Männern und Frauen verschiedene Wertigkeiten zugeschrieben, da gibt es Mitgift-Regelungen, die so manche Eltern einer Tochter, in den Ruin treiben könnten. Neben der Mitgift wird sie ein paar Jahre lang miternährt bevor sie in die Familie des zukünftigen Partners wechselt, ohne männlichen Nachwuchs stirbt der Familienname aus. Systemisch führen diese Regelungen dazu, dass es weibliche Föten abgetrieben werden oder wenn es nicht genug Ressourcen gibt, sich den Gynakologen/die Gynäkologin zu leisten, kann es leider auch dazu führen dass weibliche Säuglinge getötet werden. In vielen Regionen der Welt führt das zu einem massiven Männerüberschuss.

Das ist nur ein Randpunkt, der mich offensichtlich so sehr beschäftigt, dass ich es rausschreiben wollte, worauf ich hinaus will ist, dass Ehe und die Formen von Liebe immer ein soziales Konstrukt sein werden. Worauf ich hinauswill ist, dass wir den Glauben loslassen sollten, von das hat Gott so gewollt und so ist es richtig und nicht anders.

Es gibt polyamore Menschen, Menschen, die in Gemeinschaften leben, Menschen, die häufig wechselnde Partner_innen haben oder auch Menschen, die lieber alleine oder asexuell oder wieder ganz anders leben wollen und dann eben auch Männer, die Männer lieben und Frauen die Frauen lieben und noch mehr Variationen. Aber unsere institutionalisierten Regeln, beginnend mit unserer Verfassung, privilegieren die Ehe. Und ganz ehrlich das stört mich.

Warum bekommen diese Menschen extreme Privilegien, bspw. beim Ehegattensplitting oder bei der Familienversicherung? Die Hausfrau oder der Hausmann ist bei der Ehe und mittlerweile auch bei der eingetragenen Lebenspartner_innenschaft mitversichert. Eine Hausmann oder ein Hausfrau, selbst wenn es ein gemeinsames Kind gibt, muss sich separat privat krankenversichern!

Im HartzIV Bezug bekomme ich 100% des Regelsatzes und die Wohnkosten für einen Single. Bei zusammenlebenden Paaren, egal ob verheiratet, unverheiratet, homosexuell oder nicht, bekommt jede Person nur 90% des Regelsatzes(!), da einfach mal unterstellt wird, dass das Leben zu zweit billiger wird, in einer HartzIV-WG bleibt es bei 100% für jeden, aber es darf nicht die Wäsche vom anderen mitgewaschen werden (sic). Außerdem werden nur die Unterkunftskosten für eine Bedarfsgemeinschaft von zwei Personen bezahlt, was mietpreistechnisch weniger ist als für zwei Einzelpersonenbedarfsgemeinschaften. Diese Regeln greifen in das Leben von Menschen ein, die sich beim Verlieben leider nicht ihren authentischen Impulsen folgen dürfen, sondern, da es um Existenz geht, leider auch schauen müssen wie sich das finanziell auswirkt. Würde ich mit einer HartzIV-Empfängerin zusammen sein und zusammen wohnen und ein Vollzeiteinkommen haben, dann müsste ich uns beide damit ernähren, obwohl wir nicht in einer Ehe sind. Das will ich aber vielleicht gar nicht. Und das schafft Anreize Nicht zusammen zu wohnen und auch die Partner_innenschaft vor dem Amt zu verschweigen. Das kann doch nicht sinnvoll sein?

Warum schaffen wir einen steuerlichen Anreiz für verheiratete Paare, dass es sich wirklich lohnt, wenn einer viel und ein anderer wenig verdient. Kinder machen in dieser Rechnung, abgesehen von separaten Freibeträgen keinen Unterschied. Warum behandelt der Staat beim Ehegattensplitting kinderlose Paare und Paare die Kinder in die Welt setzen gleich anstatt einfach die Leistung Kinder in die Welt zu setzen, großzuziehen, damit der demografische Faktor erhalten bleibt und wir später Arbeitnehmer_innen haben, die in die Rentenkassen einzahlen zu fördern, zu subventionieren. Und mit Subventionieren meine ich anerkennen.

Ich wünsche mir die Abschaffung der Ehe und der damit verbundenen Privilegien. Und mit Abschaffung der Ehe meine ich, dass es jedem Menschen frei gestellt ist vor Zeugen in einem selbst gewählten schamanischen, christlichen, jüdischen, islamischen oder privaten Setting ein Versprechen zu geben zusammen zu bleiben bis das der Tod uns scheidet. Ein Versprechen hat eine tiefe spirituelle Wirkung. Aber das ist Privatsache. Wir hätten dann auch nicht mehr das Problem, das dieses Versprechen dadurch relativiert wird, dass jede dritte Ehe wieder geschieden wird, woraus zum Beispiel, die katholische Kirche als größter Arbeitgeber Deutschlands ein arbeitsrechtliches Problem macht.

Die Frage nach der Ehe geht den Staat und keinen Arbeitgeber/keine Arbeitgeberin was an. Anders Elternschaft, das sollte natürlich weiter über Geburtsurkunden und Einwohner_innenmeldeämter dokumentiert werden. Und wenn ich Kinderbetreuungszeiten brauche, dann regel ich das individuell mit dem Arbeitgeber. Der Staat kann auch gerne Anreize Schaffen, aber was wir gerade jetzt an Regelungen haben mit 12 Monaten Elterngeld, bis zu 14 Monate, wenn auch der andere Partner_innenteil zwei Monate übernimmt, ist lächerlich, zumal die Kita erst ab drei Jahren zieht. Auch wieder ein anderes Thema.

Ich wünsche mir ein bedingungsloses Grundeinkommen, einen indivuellen Steuersatz für jeden Einzelnen, egal ob Verheiratet oder nicht, Kinder oder nicht. Die Kosten für Kinder sollten dadurch gedeckt werden, dass es auch ein Kindergrundeinkommen gibt und dieser ganzer Wirrwarr mit Kindergeld, Kinderfreibeträgen und der Verrechnung auf einen HartzIV-Kinder-Regelsatz beendet wird. Das schafft Freiheiten, dass jede_r abgesichert ist und sich frei und authentisch auch in der Liebe entfalten kann. Jede_r kann entscheiden, ob er lieber teuer alleine wohnen möchte oder günstig mit anderen zusammen in einer WG und dadurch Geld sparen. Die Leute sind einfach eingeladen, angstfrei mit anderen Lebensabschnittsgefährt_innen zusammenzuziehen ohne das gleich systemische Nachteile gegenüber Ämtern entstehen. Das entspricht dem aktuellen Zeitgeist, dass wir uns individualisieren und aus der Eigenständigkeit und Eigenverantwortung heraus wieder der Gemeinschaft oder eine Zweisamkeit annähern anstatt dass Menschen in unglücklich ihre Inkarnationen vergeuden, weil sie so sehr wirtschaftlich (Rente) abhängig davon abhängig sind, dass die Ehe aufrecht erhalten bleibt.

  • Ehe ist ein privates Versprechen. Religiöse Institutionen sollen gerne Rahmen dafür anbieten und sich gleichzeitig einladen lassen Dogmen zu überprüfen und loszulassen
  • Der Staat hält sich mit gesetzlichen verzerrenden Eingriffen zurück und schafft einen Raum in dem jeder sein indivuelles Lebensglück gestalten kann.
    • Für das bedingungslose Grundeinkommen/Abschaffung der Bedarfsgemeinschaftsregelungen im HartzIV-Bereich
    • Gegen das Ehegattensplitting
    • Förderung von Nachwuchs durch Kindergrundeinkommen, Kitas, Schulen, sicherer und gesunder Infrastruktur mit vielen Angeboten für Freizeit, Erholung, Prävention und Gesundheitsförderung.
  • für die Freiheit Liebe und Beziehungen individuell zum passenden
  • für die Gleichwertigkeit von Mann und Frau sowie von Heterosexualität und Homosexualität

Adoptionsrecht

Werden auch Kinder, die in homosexuellen Familien aufwachsen nen psychischen Schaden bekommen, werden sie in ihrer Identitätsentwicklung beeinflusst? Mit Sicherheit wird das passieren….

… Genauso wie in heterosexuellen Familien oder bei Alleinerziehenden oder wenn Kinder bei Pädagog_innen in der Kita sind und irgendwelchen bescheuerten Glaubensmuster eingepflanzt bekommenb oder wissenschaftlich fundiert von Doktor_innen ihre Hochsensibilität mit Medikamenten unterdrückt bekommen.  Ja, es wird was mit den Kindern machen, dass sie zwei Mamas oder zwei Papas haben. Und? Die Entwicklung der Sexuellen Identität hängt doch nicht davon ab. In heterosexuellen Familien gibt es Kinder, die homosexuell werden und und in homosexuellen Familien gibt es Kinder, die in der Pubertät ihr Interesse am anderen Geschlecht entdecken. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass Heterosexualität in homosexuellen Familien unterdrückt wird, wohingegen Homosexualität in heterosexuellen Familien eher mal zu einem Drama führt und zu der bescheuerten Frage, was denn in der Erziehung bloß falsch gelaufen sei. Neben den Eltern gibt es auch die Peer-Group und die Gesellschaft. Und Kinder mit zwei Papas werden genug Frauen begegnen, im besten Fall haben ja auch Schwule mal Frauen, die zu Besuch kommen und sich mal um die Kinder kümmern und andersrum.

Innere Störungen, die im Erwachsenenalter aufgearbeitet werden müssen, hat jede_r Mensch, und ja das erlaube ich mir als Aufstellungsleiter zu sagen, und zwar in verschiedensten Ausmaßen. (Der entscheidende Unterschied ist nur der Leidensdruck und ob die Störungen zu einer Diagnose führen oder als Macke oder Persönlichkeitsanteil durchgehen) Ich erinnere mich an die berührende Szene in dem Unterschichtendrama Precious, wo das Mädel bei einer lesbisch lebenden Lehrerin unterkommt und dort im Gegensatz zu ihrer Herkunftsfamilie Liebe und angenommen sein erfährt. Vielleicht muss ein Kind das in einer Therapie aufarbeiten, dass es homosexuelle Eltern hatte, OK. Angenommen es ist adoptiert und dem Kind wurde eine Heimkarriere erspart, dann wird diese Therapie eine andere, im besten Falle eine weniger intensive sein. Und lasst uns das vorurteilsfrei erforschen, lasst uns qualitative Studien machen mit Kindern, die in homosexuellen Familien aufwachsen und sie später befragen, wenn sie alt genug sind. Und lasst uns diese Ergebnisse mit den Kindern aus vergleichbaren heterosexuellen Familien anschauen. Wenn das Ergebnis ist, dass wir aus diesen Beziehungen gebrochene, schwer Identitätsgestörte Menschen hervorkommen, die sich fast nur noch in einer therapeutischen stationären Unterbringung aufhalten, unverhältnismäßig oft zu Triebtäter_innen werden, die Krankenkassenkosten explodieren lassen oder selber zu häufig homosexuell werden, dass der demografische Faktor bedroht wird, dann kann ja nochmal neu entschieden werden. 😉

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