Circling

In dem Artikel „spirituelle Kommunikation“ gehe ich ausführlich auf Circling ein. Auf das Verhältnis zu Authentic Relating Games und Radical Honesty aus meiner Sicht und zu den möglichen Prozessen, dass bspw. über das wertfreie da sein lassen von Projektionen, die Anteile dahinter abfließen können und es somit auch eine Heilungserfahrung geben kann.

Diesen Blogeintrag nutze ich für die Erklärung der Rahmenbedingungen, da es mich echt immer rausbringt, die Regeln zu erklären (Erklärrolle=in den Kopf gehen) verschicke ich in Zukunft gerne diesen Blogeintrag.

Wichtig ist zu wissen, dass die Regeln kein Dogma sind, sie dich nicht einschränken sollen, sondern Stützräder, um im Moment zu bleiben. Mit fortschreitender Erfahrung können diese immer mehr losgelassen werden.

Circling ist meditative Kommunikation, es geht darum mit dem Moment, mit sich selbst und auf der Beziehungsebene (oder Gruppenebene) in Kontakt zu kommen. Ich benutze den Begriff Dis-Assozieren, um zu beschreiben, dass mensch es um Präsenz und im Beobachter sein gleichzeitig geht.

Es gibt drei Ebenen.

1.) Ich beobachte/ ich bemerke…

  • Was siehst oder hörst du im Raum, bei der Mimik oder Gestik deines Gegenübers?
  • Was für Körperempfindungen nimmst du wahr
  • Welche Gefühle/Emotionen (Getriggert sein, Energien) beobachtest du?
  • Auch Gedanken oder Fragen können in den Raum gebracht werden, aber ohne die Erwartung(!) dass sie beantwortet wird.

2.) Ich stelle mir vor/ Ich interpretiere

Wenn ich glaube, dass bei dem anderen ein Gefühl da ist, dann nehme ich das durch die Formulierung „ICH stelle mir vor“ in die Eigenverantwortung und mache deutlich, dass es die eigene Vorstellung, die eigene Kreation ist. Die andere Person hat immer die Möglichkeit zu sagen, „Wenn ich das höre, dann…. “ aber es löst weniger Rechtfertigungsdruck bei dem anderen aus, falls es mal nicht stimmen sollte.

Wenn ich jemanden gähnen sehe, kann er sich entweder langweilen oder er ist müde. Das ist eine Interpretation und ich mache das auch mit dieser Formulierung deutlich und gehe nicht mit Behauptungen in den Raum des anderen.

3.) Was macht das mit dir?

Fragen, die dich tiefer in den Moment bringen sind erlaubt für die Prozesssteuerung. „Was beobachtest du?“ „Was fühlst du?“ „Was empfindest du?“ Bspw. wenn jemand hängt, ist es eine Einladung noch tiefer in die Empfindung reinzugehen. Oft beobachte ich, dass diese Frage aber missbraucht werden, um von sich selbst abzulenken 😉

Fragen, die einen in den Kopf bringen, in die Geschichte, in Zukunft, Vergangenheit oder Rechtfertigungen sind nicht so gerne gesehen.

w-fragen

Nun geht es darum alles was da ist zu verbalisieren und da sein zu lassen. Es geht um einen wertfreien Raum und auch darum, die Kontrolle, was der_die andere über mich denkt, loszulassen, sondern einfach nur mit sich selbst radikal ehrlich da zu sein und über die Dynamik sich mit dem Moment zu verbinden. Ihr werde beobachten, dass sich die Beobachtungen ständig verändern.

Es ist auch wichtig, dass mensch mit Langeweile, Trennung, Passivität, Unverbundenheit, Ablehnung und Antipathie, bedroht fühlen usw. im Kontakt bleibt und dem anderen das verbalisiert ohne was auszuagieren oder in einen Beziehungs-/Kontaktabbruch zu gehen. Ihr werdet vermutlich das paradoxe Phänomen feststellen, dass wenn ihr verbalisiert, dass ihr euch nicht verbunden fühlt, viel Verbindung hergestellt wird.

Da es keine dogmatischen Regeln gibt, ist Körperkontakt auch nicht ausgeschlossen. Ich führe also noch zusätzlich die Methode „Wheel of Consent“ ein. Das heißt, wenn ich einen Impuls habe, bspw. meine Hand auf deinen Bauch legen zu wollen oder dir eine Backpfeife geben zu wollen, dann frage ich vorher um Erlaubnis.

Um Loszulegen reichen diese Informationen, ich teile aber nochmal diese circling-prinzipien für die Leute, die noch einen Schritt weiter gehen wollen.

(Kurze Kritik an der .pdf: Es gibt mehr als 5 Sinne(!) und ich gehe fachlich bei der Trennung von Beobachtung und Interpretation mit. Aber ich beobachte sogenannte Feldzustände bei mir, wo ich wie in einer Art Systemischen Aufstellung im System des anderen bin und dort von einer „höheren“ (im Sinne von anderen) nicht mentalen Ebene wahrnehme. (einfaches nachvollziehbares Beispiel. „Ich spüre deine Unsicherheit“) In diesem Fall fallen einige fachliche Richtigkeiten weg, weil das einfach ein Zustand ist, der mental nicht erklärbar ist und auch zurecht keine Berücksichtigung in so einer .pdf findet, da es zu selten ist. Gleichzeitig fehlt das fachliche und psychologisch anerkannte Phänomen der „Übertragung“ und ich werde dazu nochmal einen extra Blogeintrag machen, weil dieses Wissen erstaunlich schlecht verbreitet ist.)

Circlingvarianten

Circling findet zu zweit oder in Kleingruppen statt. Wohin wandert dein Fokus, deine Aufmerksamkeit in Kleingruppen, entsteht ein Gruppengefühl? In großen Gruppen ist es schon schwerer seinen Raum zu nehmen. Und dann gilt es auch mit dieser Erfahrung zu sein, dass mensch sich mit bestimmten Gruppenkonstellationen, Menschen, Dynamiken unwohl fühlt und zu schauen, was das mit einem selbst macht.

Bei einem Birthday Circling wird die gesamte Aufmerksamkeit auf eine Person gerichtet. Es gibt also einen Fokus und das hat Einfluss auf die Dynamik. Für die gecircelte Person kann es sehr intensiv werden, aber auch wenn Prozesse in der Gruppe sind, dann dürfen die weiterhin sichtbar gemacht werden.

In der Regel gewöhnen wir uns über die Workshops an einen erfahrenen Workshopleiter, der den Raum hält. Das löst ein Gefühl von Sicherheit aus, weil er_sie den Rahmen lenkt und bei Fragen und Unklarheiten zur Seite steht und aus seiner Rolle heraus anders in Konflikte eingreifen kann. Bei einem Surrender Leadership wird genau diese Sicherheit auch weggenommen. Der Raum ist zwar noch durch das Setting gehalten, aber es gibt keinen Raumhalter/ keine Raumhalterin mehr. Mensch ist alleine mit sich, seinem Körper, Gefühlen, Impulsen, Bedürfnissen, Grenzen und hat nur diese Momentkommunikation als Tool. Wenn du dich unwohl fühlst, wenn dich etwas stört, wenn du dir etwas wünscht, dann kannst du das entweder beobachten wie es ist, darüber nachzudenken oder beobachten, welche Erfahrung du machst, wenn du dich mit deinem Inneren und deinen Impulsen, die du normalerweise aus irgendwelchen mentalen Grenzen heraus nicht zeigst, in die Gruppe bringst.

Zum Abschluss noch ein lustiges Video, dass ich mit Circling assoziiere. Ich lade euch ein, mal zu schauen, welchen Effekt es auf euch hat.

 

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4 Antworten zu Circling

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