Schweigeparty

Ich beobachte das Muster bei mir, dass ich mich von meinen Gefühlen und meinem Körper abtrenne, wenn ich rede. Das Verbinden mit dem Körper und mit den Gefühlen und gleichzeitig in Kontakt zu gehen ist wohl mit der Erfahrung verbunden mein Gegenüber zu irritieren von der Wucht meiner körperlichen Präsenz und meinen Gefühlen. Ich erfuhr Ablehnung und Ausgrenzung und so habe ich irgendwann mal die Strategie entwickelt nur noch im Kopf zu sein und somit mein Verhalten einigermaßen zu kontrollieren.

Ich kreierte also einen Schatten, da ich etwas von mir wegdrückte und ein Schattenverhalten, weil ich jetzt anstatt mit meinen Gefühlen und mit meinem Körper zu viel Raum einzunehmen stattdessen mit Reden zu viel Raum einnahm.

Ich gehe unter anderem deshalb auf Workshops wie Authentic Relating Games, Circling und Critical Mass Game, weil ich mir hier wieder in einem geschützten Setting antrainieren konnte gleichzeitig zu sein und zu kommunizieren.

In diesen Workshops lernte ich Susi kennen. Ein Mensch mit einem riesig großen Herzen und einer außergewöhnlichen Intuition, der sich auch für das Feld Authentiztität stark macht. Sie kreierte zu ihrem Geburtstag einen Raum, in dem komplett geschwiegen wurde. Es gab nur veganes oder rohköstlerisches Essen, Smartphonefreiheit und es war komplett drogen-, alkohol- und rauchfrei. Es gab viele Zettel mit kleinen Aufgaben und Einladungen sich sehr authentisch, verrückt oder kindlich/albern zu zeigen und gleichzeitig auf das Innere und die eigenen Grenzen zu achten.

Ich bin so dankbar für diese Einladung, diese Art von Party erfahren zu dürfen und beschreibe mal im Folgenden einige meiner Prozesse, die zum Vorschein kommen, wenn ich nicht von meiner Authentizität durch Reden, nen guten und höflichen Eindruck machen müssen am Anfang einer Party getrennt werde. Auf normalen Partys verharre ich oft in meinen Zuständen des getrennt seins, da kein Raum da ist, durch meine Prozesse duchzugehen.

Ich zog am Anfang die Aufgabe, dass wichtigste was ich bei mir habe zu verschenken. Zum Glück hatte ich meine Jacke mit Portemonnaie und Smartphone gerade abgelegt, fand aber noch Geld in meiner Hosentasche. Ich faltete den größten Schein, den ich hatte – zum Glück nur 10€ – zu einem kleinen Papierschiff und verschenkte es schweigend an eine FB-Freundin von der ich wusste, dass sie mal ne Frage zum Thema Geld manifestieren geteilt hatte.

Als ich im Raum ankam waren die Leute bei sich, bewegten sich langsam zu der Musik und meditierten. Es entstand auch Kontaktimprovisation. Ich entschied mich für die Meditation, da ich erst zwei Stunden vorher noch eine lange Landesmitgliederversammlung in mir hatte, wo ich meine Rolle als Landesvorsitzender der Violetten losließ. Ich beobachtete, dass ich im Kopf war und dass ich mich getrennt von den anderen fühlte. Früher kam an der Stelle immer Opferdenken in mein System rein, mittlerweile weiß ich, dass ich die Trennung kreiere und ich mich in mir von etwas abtrenne. Ich meditierte weitere und beobachtete unter anderem ein großes Energiepaket, was losgelassen werden wollte, aber noch energetisch mit anderen Paketen verstrickt war, die gerade noch im dunkeln waren.

Meine Reise führte mich ins innere Kind und ich legte mich in Embryostellung hin. Zustände von sehr jung sein, noch nicht bewusst sein, nicht verstehen, Trauer, Schmerz, Wut, Trennung. Dieser Innere-Kind-Anteil ist ständig da und ich drücke ihn weg, wenn ich ins Ego gehe, um mit anderen Menschen in Kontakt zu gehen. Ich zeige diese Form von Verletzlichkeit nicht, weil ich dann nicht die Kontrolle über die Beziehungsgestaltung habe und ich mich nicht männlich-erwachsen fühle und Angst habe bei meinem Gegenüber Irritation und Meidung auszulösen. Aber Heilund kann aus meiner Sicht nur passieren, wenn ich aufhöre diese Zustände zu unterdrücken. Susi kam zu mir und nahm mich vom Herzen wahr. Ich durfte meinen Kopf erst kurz in ihren Schoß legen um dann mich hinzusetzen und die Gefühle als Erwachsener zu übernehmen und ihr mit meinem Schmerz und meiner Verletzlichkeit in die Augen zu schauen. Ich drückte ihn nicht weg und ließ den Prozess fließen und am Ende kam Dankbarkeit, darüber, dass ich die Lernerfahrung machen durfte mich mit meinem Schmerz einer Frau zu zeigen. Ich begann zu strahlen und wir umarmten uns.

Als ich wieder meditierte beobachtete ich wie ich an der linken Schlefe einen starken Kopfschmerz bekam. Ich „wusste“/interpretierte, dass nach dem körperlichen emotionalen Prozess jetzt noch ein mentales Glaubensmuster, ein mentaler Anteil ins Licht gebracht werden wollte. (Ich lade dazu ein, das auch mal zu versuchen, da vermutlich hinter jedem Kopfschmerz eine Erkenntnis steckt. Und sei es nur, ich bin gestresst und über meinen Grenzen.) Da ich durch meditieren nicht rankam, nahm ich mir einen Zettel und einen Stift und fing an den Schmerz zu spüren und willenlos und intuitiv drauf rumzumalen. Nach einer Weile erkannte ich anhand des entstandenen Bildes und bestimmter Assoziationen, dass die Botschaft von dem Kopfschmerz an mich war, dass ich einen Brief an meinen Vater schreiben soll, was ich dann auch direkt auf der Party zum ersten Mal in meinem Leben tat. Habe ja viele Gedanken dazu und es tat mir gut symbolisch mal wirklich ihn direkt anzusprechen.

Der Rest des Abends war ein voller Genuß. Massageketten, Contactimprovisation, sehr leckereres Essen, Kuscheln, albern abgehen zu guter Musik. Als wir beim Verabschieden reden durfte bekam ich gleich die Rückmeldung, dass meine Attraktivität durch ebendiess gesunken sei ;-p

Danke Universum für diese Erfahrung. Bitte mehr davon. Vielleicht organisiere ich mit Susi mal ein Surrender Leadership im Schweigemodus als Vereinsevent im SPIRIT BERLIN.

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2 Antworten zu Schweigeparty

  1. Weltraumtourist schreibt:

    Danke Dir fürs teilhaben lassen….

    Ca. 2 trigger Punkte und eine Runde Tränen…
    Du schenkst noch Prozesse außerhalb der Schweige-Party …

  2. Pingback: Hallo Vater | Christian Fender

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