Der Gutmensch

Es ist ein viel diskutierter Begriff, der viel Resonanz erzeugt. Es gibt naive Fragen, was ist denn falsch daran ein Gutmensch zu sein und es gibt Widerstand, weil es die Assoziation gibt, dass es ein Kampfbegriff der sogenannten „Rechten“ gegen die „Linken“ ist.

Die Linken, jetzt speziell die Partei die Linke und die Grünen, haben versucht im Wahlkampf 2016 diesen Begriff für sich zurückzuerobern und in ihrem Sinne positiv zu besetzen.

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Aber ich benutze diesen Begriff auch als kritischen Spiegel für bestimmte Menschen und möchte diesen Blogeintrag nutzen, um meine Interpretation der Konnotation dieses Begriffes zu verdeutlichen.

Ein Parteikollege von mir sagte einmal: ein Gutmensch ist jemand der auf Kosten anderer gut sein möchte.

Ich ergänze, dass es auch auf die eigenen Kosten gehen kann. Sicherlich hat kaum jemand etwas gegen gute Menschen und Menschen die gutes tun. Aber der entscheidende Punkt ist, dass es bei Gutmenschen noch eine Unstimmigkeit gibt, einen blinden Fleck, ein ungelöstes Thema, ein Helfer_innensymptom, ein ideologisches Ausblenden und Verurteilen von anderen Perspektiven.

Ich gehe davon aus, dass es kaum jemand auf die Idee kommt alle Krankenpfleger_innen oder Sozialarbeiter_innen pauschal als Gutmenschen zu betiteln. So wie es die Linke auf ihrem Plakat suggeriert. Im Besten Fall ist die Frau bei der Berufswahl ihrem Herzen gefolgt und hat ihre Berufung gefunden. Sie leistet eine Arbeit und bekommt dafür einen Energieausgleich in Form eines Einkommens. (Die Höhe, Lohnunterschiede und unbezahlte Überstunden sind jetzt mal nicht das Thema)

Aber was wenn jemand noch ein ungelöstes Thema hat und sich unbewusst deswegen für einen sozialen Beruf oder ein Ehrenamt mit hilfebedürftigen Menschen entscheidet. Was wenn diese Menschen sich mit ihren ungelösten Themen in der Arbeit verstricken. Bspw. über ihre eigene Grenzen gehen, weil sie das Leid der Welt nicht ertragen können und nicht in der Lage sind sich davon abzugrenzen. Was ist mit der Meinung, dass wir doch noch mehr Flüchtlinge aufnehmen müssen, weil doch soviel Leid auf der Welt ist. Obwohl Deutschland das mehr Geflüchtete aufgenommen hat als alle anderen europäischen Staaten zusammen. Die Perspektive der eigenen Grenze wird ausgeblendet und das gleiche wird politisch auf die Gemeinschaft projiziert. Ich gehe über meine eigenen Grenzen, also soll die Gemeinschaft das gefälligst auch tun. Andere Meinungen werden gelabelt und verurteilt.

Was wenn soziale Menschen dem Klienten so sehr helfen wollen, dass dieser sich systemisch zurücklehnt und Verantwortung abgibt und so Strukturen entwickelt, die eigentlich kontraproduktiv sind, aber aufrecht erhalten werden, damit das Gefühl beim Helfenden aufrecht erhalten wird, gebraucht zu werden. Ich kenne jemanden, der mit Kurden und Behinderten arbeitet und bei sich selbst das Thema entdeckt hat Angst vor dem nicht existieren dürfen zu haben, was auch in die Klientengruppen reinprojiziert wird. Was wenn die Grenze zwischen professioneller Distanz nicht mehr eingehalten wird. Ich habe sechs Monate lang mit minderjährigen Geflüchteten gearbeitet und habe die Grenzen gesetzt, wenn sie zu nah kamen oder unrealistische Erwartungen hatten. Hatte bspw. gesagt, dass ich Sozialarbeiter bin und kein Freund. Meine Kolleg_innen ließen sich außerhalb der Arbeitszeit privat einladen auf ein Eis, machten individuelle Geschenke an ihre Lieblingsjugendlichen, waren so voller Bindung, dass sie ihre institutionelle Rolle in Richtung Vormundschaft wechseln wollten, um weiter für bestimmte Klienten zuständig sein zu dürfen und ein Kollege bezeichnete den Klienten auch als Freund, was mich blöd da stehen ließ, da ich das ja nicht gemacht habe und mir die Klienten das jetzt vorwarfen.

Ich erkenne auch eine viel tiefere spirituelle Ebene. Eine Art ungesehene schädigende Energie. Menschen, die ihren Fokus auf ihre Utopien und Visionen lenken und damit stark identifiziert sind, trennen sich von etwas ab. Von der Akzeptanz, dass es im Moment auch schlechtes in einem und auf der Welt gibt. Und das faszinierende ist, dass das innere und das äußere miteinander verbunden sind und die Anteile, die viele Einzelne im Kollektiv innerlich ablehnen uns im großen Außen gespiegelt werden.

Wer immer nur in Richtung Positivität im Außen aufgrund eigener Ideale/Werten/Ideologie verändern will, ohne den Moment mit den schlechten Anteilen anzunehmen, der kreiert Schatten und gibt dem – was er eigentlich nicht will – Energie.

Es ist äußerst schwer zu erklären, aber zum Glück sind da Veit Lindau und Anssi, die zwei Artikel zu dem Thema geschrieben haben. Ihre Artikel wurden damals x-fach geteilt und lösten sehr viel Resonanz in der spirituellen Szene aus. Es könnte auch ne Projektion sein 😉 Es löste viel Resonanz bei mir aus und änderte mein Verständnis von Welt. Damals eignete ich mir das ja nur mental an mittlerweile habe ich das in meinen Reisen außerhalb meines mentalen Geistes nochmal viel tiefer verstanden und dafür bin ich sehr dankbar.

 

 

Ich hoffe, dass ich diese Erkenntnisse noch in weiteren Blogeinträgen aus weiteren beispielhaften Perspektiven veranschaulichen kann.

Bis dahin gilt. Hinschauen und wirken lassen und jetzt auch nicht krampfhaft versuchen Gutmenschenanteile durch unterdrücken loszuwerden 😉

Ich habe diese Gutmenschenanteile als Schatten auch noch stark in mir, was ich ja daran erkenne, dass ich es stark werte. Aber ich habe mir die Intention gesetzt, diese durch bewusstes Erkennen und Annehmen zu transformieren und irgendwann frei davon zu sein und mein Handeln von inneren Wahrheiten leiten zu lassen anstatt diesen Verhaltensmusteranteilen.

http://veitlindau.com/2014/04/die-arroganz-der-gutmenschen/

[Schade, den Artikel von Anssi zu dem Thema finde ich leider nicht mehr online.]

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