Das Ego

Hier eine Reflektion von mir zum Thema Ego.

Der Verstand ist nicht gleichzusetzen mit dem Ego, aber es ist mit ebendiesem stark verstrickt. Ego ist dann da, wenn wir etwas festhalten anstatt es fließen zu lassen oder uns mit Hilfe von Glauben eine Identität geben. Das Ego, die sogenannte Ich-Identität ist etwas Sinnvolles. Es hilft uns dabei uns in dieser Inkarnation erfahrbar zu machen. Das Ego hat das Bedürfnis zu existieren, angenommen zu werden, dir ein wohliges Gefühl und Sicherheit zu geben. Das Ego hat Angst vor dem Tod, auch wenn dieser unvermeidlich ist.

Es wird in der spirituellen Szene oft kritisch über das Ego gesprochen, über das Ego überwinden und loslassen. Das Ego sterben zu lassen, um Aufzuwachen. Viele glauben wirklich, dass sie ihre Gedanken sind, aber nach einer Wahrheit an die ich glaube, wird unsere Essenz nach dem physischen Tod oder dem Egotod weiter existieren. Es gibt etwas hinter dem Ego, das Bewusstsein, dass das Ego beobachtet, unsere Seele. Ich stelle mir vor, dass ein_e Erleuchtete_r in einen Zustand gerät, dass er sich nur noch als Seele wahrnimmt und von dort aus beobachtet und erkennt, dass alles eine Illusion ist. Alles was wir hier sind ist eine Kreation der geistigen Welt. Wir selbst, so stelle ich mir das vor, sind diese geistige Welt und wir haben uns diese Welt erschaffen, um uns selbst zu begegnen. Der Egolose Zustand beobachtet nur noch, er glaubt nichts mehr, er identifiziert sich mit nichts mehr. Nicht einmal mehr mit dem Gedanken: “Ich bin ein Mensch”. Die Aufgabe vom Ego ist es uns von diesem Aufwachen fernzuhalten und groß zu werden. Es kann trainiert werden und ihm kann Energie gegeben werden. Es kann der Focus auf weltlichen Erfolg gelegt werden, was völlig OK ist. Nur manchmal nutzt das Ego Strategien und muss andere Anteile deines komplexen Systems dafür verdrängen. Die körperlichen Grenzen übergehen, Gefühle unterdrücken, um zu funktionieren, in Rollen gehen, tricksen anstatt authentisch zu sein, um der eigens erschaffenen Illusion vom glücklich sein hinterherzurennen. Immer wieder setzt das Ego Ziele in der Zukunft und wenn sie erreicht sind, kreiert es neue Ziele. Oder es hängt viel in der Vergangenheit. Für das Ego ist es schwer im Moment zu sein, denn dann verschwindet seine Macht. Im Moment gibt es soviel mehr zu entdecken als unsere Gedanken. Wenn ich mich entspanne und im Moment ankomme, dann entdecke ich andere Anteile in mir, die mich glücklich und vollständiger machen und mir dabei Helfen Entscheidungen zu treffen, dann ist der Verstand nur noch ein Hilfsinstrument, anstatt oberste Entscheidungsinstanz.

Woran erkenne ich das Ego:

  • Am Festhalten
    • Alles was fließen verhindern möchte, insbesondere die Gefühle, hat mit einem Egoanteil zu. In Wahrheit gibt es aber nichts, was nicht fließt. Sogar Blockaden sind fließende Anteile, die aus ihrer Perspektive eine sinnvolle Funktion erfüllen. Zum Beispiel wachen sie darüber, dass du nicht an unterdrückte Anteile, rankommst, die du mal weggesperrt hast als Überlebensstrategie.
  • Am Wollen.
    • Bspw. Recht haben wollen. Aber auch alles positive was du “willst” kommt vom Ego. Wünsche und Bedürfnisse aus dem Moment heraus zu beobachten ist OK, aber es geht darum die Wünsche, Bedürfnisse und Ziele nicht festzuhalten, sondern immer wieder auch loszulassen.
  • An der Identifikation
    • mit Gedanken, Gefühlen, Rollen, Masken, Gewohnheiten,… Jedes Glaubensmuster kann aufgelöst werden, bspw. mit the Work von Byron Katie. Wer bist du, wenn du an nichts mehr glaubst? Nicht einmal mehr an die Existenz, das Leben und den Tod. Verschwindest du dann?
  • Am nicht im Moment sein.
    • in Gedanken zu sein, die sich viel mit Analyse der Vergangenheit, dem Jetzt-Zustand und den Zukunftsprojektionen beschäftigt. Es gibt keine Vergangenheit oder Zukunft. Beides wird jedes aus dem Moment heraus kreiert. Sogar die Erinnerungen werden nicht abgerufen von einem Festplattenspeicher in deinem Gehirn, sondern jedesmal neu kreiert. Erinnerungen können sich also auch verändern. Gedanken an Zukunft oder Vergangenheit zu richten ist nicht falsch, es geht aber darum, es zu beobachten
  • Vergleichen
    • Beim Vergleichen kreieren wir schon einen Akt der Trennung, obwohl ja alles eins ist.
  • Bewertungen
    • Bewertungen nach Innen oder nach Außen gerichtet kommen immer vom Ego. Es hilft dir dabei Situationen korrekt einzuordnen und zu funktionieren, aber sie können dir das Leben auch komplizierter machen. Das interessante ist auch, dass du jede Bewertung, die du nach außen richtest auch gegen einen Inneren Anteil von dir richtest. Es gibt keine Trennung zwischen Innen und Außen.
  • Kontrolle
    • Kontrolle gibt dem Ego, die Macht und die Bedeutung, die es braucht um zu existieren. Der größte Angstgegner ist der Tod.

Ich habe die Entscheidung getroffen meine Ego bewusster wahrzunehmen und die Intention es Stück für Stück loszulassen mit ins Gebet genommen.

Wichtig ist, dass ich mein Ego so wie es im Moment ist aber auch annehme und lieben lerne. Ich habe es ja schließlich jahrelang aufgebaut und kreiert. All diese komplexen Gedankenpakete, in die ich die komplexe Welt schnell einsortieren kann und das Gefühl das meine Identität und die Person, die ich für meine Umwelt darstelle eine Bedeutung hat. Das Nicht-Annehmen oder Unterdrücken wollen des Egos funktioniert eh nicht, es führt nur zu Inneren Kämpfen und das Ego ist intelligent genug Strategien zu finden, diese Inneren Kämpfe zu gewinnen und es ist bereit dich auszutricksen, da es seine Existenz nicht verlieren möchte. Aber ich öffne mich für die Transformation. Und dazu gehört es auch sich richtig in vom Ego losgetretene Konflikte reinfallen zu lassen, da hinter diesen Konflikten auch immer Erkenntnis und die Chance auf Loslassen durch Transformation besteht.

Meine Interpretation vom Super-Ego und vom spirituellen Ego:

Ich beobachte bei mir, dass ich Erfahrungen außerhalb des Egos gemacht habe. Bspw. auf Ayahuasca war das Ego nur noch ein verschwindend geringer Teil und ich habe das Bewusstsein dahinter als riesig wahrgenommen. Oder manchmal gibt es Zustände, wo ich im Feld oder in der Intuition bin.

Das Ego mag diesen Kontrollverlust nicht und hat Schwierigkeiten die Erlebnisse zu verarbeiten. Die geistige Welt funktioniert ganz anders als unsere Welt hier wo das Ego Macht hat. Dort gibt es keine Sinne, Worte oder Gespräche. Es wird mit Bildern gearbeitet und mit Informationspaketen, die dann aber noch übersetzt werden müssen, was immer eine Schwierigkeit ist, da eine Übersetzung der geistigen Welt in unsere, einen Übersetzungsverlust und somit wieder eine kleine Trennung von der Wahrheit zur Folge hat.

Zum einen beobachte ich bei mir nach solchen Erfahrungen das Bedürfnis viel darüber zu reden. Aber die erfahrenen Datenpakete sind riesig und jedesmal, wenn ich versuche das zu beschreiben und anderen zu erklären benutze ich immer mehr und mehr Worte, weil ich mich dem erlebten annähern will, aber ich schaffe es nicht. Es macht im Übrigen auch nachvollziehbar Sinn, dass Weise Menschen viel mit Bildern, Parabeln und Paradoxa arbeiten. Aber das ist leider noch nicht so meine Stärke, weil ich mich immer gerne sehr mental ausdrücken möchte.

Vielleicht gibt es dann auch eine Euphorie und einen Wunsch, dass ich andere in die Zustände hineinerklären oder reinresonieren könnte. Es bringt aber eigentlich nichts, wenn ich nicht mehr in diesem Zustand bin und der andere es nicht erfahren hat, dann darüber zu reden, da meine Worte auch nur mentale Kreationen beim anderen auslösen und das Gegenüber ja eher in den Kopf bringt und somit von der Erfahrung wegholt.

Ein weitere Trick vom Ego ist jetzt, dass es die Erfahrung rekreiert und dich verarscht. Es tut dann so, als ob du in der Intuition oder im Feld bist und du verhältst dich dann entsprechend. Zum Glück ist das Ego da an der Stelle schnell zu durchschauen mit ein wenig Achtsamkeit, mensch sollte es nur im Mindset haben, dass es das Super-Ego/ das spirituelle Ego gibt und dass es ebenso wie du nach deiner spirituellen Erfahrung gewachsen ist und es sich neue Strategien einfallen lassen muss, um die Kontrolle zurückzugewinnen.

Ein wichtiger Punkt ist noch, dass ich in Feld-Momenten tiefe Wahrheiten aus dem Moment heraus erkannt habe, bspw. in Aufstellungen, die meine mentales Mindset gesprengt haben und die nur für den Moment galten. Jeder Versuch aus einer spirituellen Erfahrung eine Regel abzuleiten oder eine Religion zu gründen, ist schon eine Art Superego, da sich Wahrheiten einfach ändern und nicht in Büchern dogmatisch festgeschrieben werden können und diese Institutionen Menschen abhängig machen. Der spirituellere Weg ist aus meiner Sicht eher eher Räume zu schaffen und den Menschen zu erklären, dass jede_r sich auf den Weg machen kann zu seiner eigenen Wahrheit zu finden. Das institutionelle Verkaufen und abhängig der Menschen von dem eigenen Dogma ist ein Machtspiel und eine Manipulation.

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2 Antworten zu Das Ego

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