Die Facetten von Poker.

[Nachtrag 29.05.17: (Mittlerweile habe ich Poker radikal losgelassen. Ich liebe es immer noch, aber das Loslassen hat allein zeit- und herzenstechnisch viele neue Räume aufgehen lassen.]

Ich möchte heute über Poker schreiben. Poker ist voll mein Ding. Ich liebe es. Für mich ist es eins der spirituellesten Spiele, die ich kenne.

Poker ist mehr als ein Glücks- und Geschicklichkeitsspiel. Es wird auf vielen Ebenen gleichzeitig gespielt. Es ist kein reines Kartenspiel, da es Chips gibt. Und da es in der Regel um Geld geht kommt nochmal eine Ernsthaftigkeit und ein Wettbewerb ins Spiel, den es bei einem Spieleabend unter Freund_innen nicht gibt. Poker ist somit auch ein Sport.

Leider ist in vielen Menschen noch das Bild von Glücksspiel im Kopf. Darauf würde ich gerne später noch genauer eingehen. Es geht aber erst einmal darum sich die vielen Aspekte, die vor allem in einer Gleichzeitigkeit auftauchen, anzuschauen. Poker erfordert ein hohes Maß an Geduld, Konzentration und Disziplin. Zu einer Situation gehört die Anzahl der Spieler_innen, die Stacksizes (Größe des Chipstapels) und deine Position und deine ausgeteilte Hand. Zum Poker gehört das Bluffen. Bluffen ermöglicht dir Chips mit der schlechteren Hand zu gewinnen. Dazu muss mensch auch sein eigens Image und den Spielstil der anderen beachten. Spielen sie ihre Chips aggressiv oder passiv. Viele Hände oder nur ausgewählte gute. Es gehört ne Menge mathematisches Geschick dazu seine Gewinnchancen zu berechnen und psychologische Beobachtungsfähigkeit. Es geht um Reads, das heißt Informationen durch Verhalten oder äußere Merkmale über die Stärke der Hand des anderen zu gewinnen und es geht um Tells, das heißt sich seiner eigenen Mimik und Körpersprache sehr bewusst zu sein. Das eigene Bewusstsein kann dann auch gezielt dazu genutzt werden, um falsche Informationen beim Gegner ankommen zu lassen, um diesen zu einer falschen Entscheidung hin zu beeinflussen. Dieser Schauspielerische Aspekt und die Tatsache, dass du Poker mit deinem ganzen Körper spielst macht dieses Spiel schon sehr ganzheitlich. Und jetzt kommt es noch auf eine gute Intuition an. Viele negieren die Existenz eines Bauchgefühls oder eine Intuitiven Eingabe, sie glauben nur an das rationale, aber ich kann bei mir beobachten, dass es dieses Impulse gibt. Es ist sehr schwer sie von mentalen Gedanken zu unterscheiden, aber meistens kann ich es hinterher sortieren, ah da habe ich nicht auf meinen intuitiven Impuls gehört und habe stattdessen mental gehandelt und habe prompt die Quittung bekommen. Aber je mehr ich auf meine Intuition höre, desto besser läuft es.

Poker ist kein Glücksspiel:

Klar, wenn wir jetzt jedem Karten austeilen und schauen welche Karte höher ist, dann ist es purer Zufall wer gewinnt. Auch könnten wir nicht um die Wette Roulette oder am Automaten spielen. Es ist pures Glück, ob mensch gewinnt oder verliert. Vielleicht würdet ihr euch auch trauen eine einzige Hand gegen einen Pokerprofi zu spielen. Ihr habt reale Chancen diese zu gewinnen. Aber würdet ihr auch 100 oder 1000 Hände gegen einen Pokerprofi spielen. Wenn die Antwort nein ist, dann kann es sich ja schlecht um ein Glücksspiel handeln.

Beim Poker werden dir 2 Karten verdeckt ausgeteilt und 5 Karten offen in ein Gemeinschaftsboard gelegt. Aus diesen 7 Karten werden die besten 5 zusammenkombiniert. Die bessere Hand gewinnt. Es kommt aber nur unter bestimmten Umständen zu einem Vergleich der Karten. Vorher gibt es vier Setzrunden und somit vier Möglichkeiten den Pot bereits an jenen Stelle durch geschicktes Setzen zu sichern. Mensch ist also nicht abhängig von der eigenen Hand, sondern kann auch eine stärkere Hand repräsentieren und den anderen zum Aufgeben des Pots zwingen. Und klar kommt es auch mal zu einem Showdown der Karten. Es geht aber nicht darum, dass mensch mal Glück hat und einen großen Pot gewinnt, sondern, dass du aus der Summe deiner Entscheidungen langfristig auf viele Hände gesehen Chips sparst in ungünstigen Spots und das meiste in günstigen Spots rausholst.

Natürlich gibt es im Poker auch Situationen, wenn alle Entscheidungen auch richtig getroffen wurden, dass du den Verlauf der Karten nicht mehr beeinflussen kannst. Es kann auch mal passieren, dass jemand eine Hand verliert, obwohl er 70% zu 30% vorne war. Das fühlt sich dann wie Pech an und es gibt die Möglichkeit, dass ich eine Hand gewinne, obwohl ich nur 5% Siegchancen hatte. Das fühlt sich dann wie Glück an. Aber am Ende ist es eine mathematisch berechenbare Wahrscheinlichkeit und ich kann der Spieler sein, der halt oft seine Chips in die Mitte bringt, wenn ich statistisch gesehen vorne bin und mir auf lange Sicht einen Gewinn erhoffen oder ich spiele Poker als Glücksspiel, stelle mit schlechten Karten rein und freue mich wenn ich glücklich gewinne und bin auch nicht traurig, wenn ich verliere.

Poker besteht zu 50% aus Glück und zu 90% aus Skills.

Es gibt Faktoren beim Poker die es den Glücksfaktor und den Skillfaktor beeinflussen. Anzahl der Spieler, Größe der Blinds (Zwangseinsätze) im Verhältnis zum Durchschnittstack und die Geschwindigkeit in der die Blinds steigen. Außerdem ist bei Anfänger_innen ein höherer Glücksfaktor, da sie häufiger in den Showdown gehen als erfahrerene Spieler, wo die Pötte meistens ohne Showdown geklärt werden. Ein weiterer Faktor ist, ob es um was geht oder nicht. Beim Playmoney ist es egal ob du dein Preflop-Allin verlierst oder nicht. Wenn du 100€ vor dir zu liegen hast bzw. einen Einsatz spielst, der dir was bedeutet, dann kommen überlegtere Entscheidungen.

Insofern ist dies eine Einladung euer Bild über Poker zu ergänzen oder auch mal mit mir eine Pokerpartie zu spielen, um die fantastische Tiefe dieses Spiels mal erleben zu dürfen.

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