Was ist Spiritualität?

Als Mitglied von „Die Violetten – für spirituelle Politik“  kommt öfter die Frage, was eigentlich Spiritualität ist. Hier gibt es sicherlich genauso viele verschiedene Antworten wie wir Mitglieder haben und die Anzahl der Antworten potenziert sich noch mit den Momenten in denen die Frage beantwortet wird. Es kommen ja zur selben Frage von der selben Person dennoch andere Antworten, wenn das Setting ein anderes ist.

Nun gibt es Menschen, die das gerne definieren möchten. Aber ist das möglich, dass es darauf die eine Antwort gibt, der dann alle folgen und die dann immer stimmig ist?

Nein. Es wird immer einen Fluss an Antworten und eine Unklarheit/ eine Undefiniertheit geben. Genauso wenn die Grünen gefragt werden, was denn eigentlich grüne Politik ist oder jemand aus der großen Koalition gefragt wird was denn Sozialdemokratie oder Christdemokrat_innen ausmacht. Nicht ganz unkompliziert stelle ich mir das auch bei Begriffen wie links oder liberal vor.

Wenn es für diesen Begriff eine Definition gibt, dann wird es zu einem Dogma. Wahrheit lässt sich niemals festhalten. Gleichzeitig benutze ich dieses Wort gerne und häufig. Es verbindet ja auch einen gewissen Kreis an Menschen, die sich einander finden wollen und jede_r darf seine unterschiedlichen Assoziationen zu dem Begriff einbringen.

Ich kann für mich als Privatperson ein paar Worte finden, die mir gerade in diesem Moment aus den Fingern fließen.

Zum einen ist alles spirituell. Wir sind m.E. keine materiellen Wesen, die spirituelle Erfahrungen machen, sondern spirituelle Wesen, die gerade eine materielle Erfahrung machen. Ich persönlich glaube nicht an Reinkarnation, ich „weiß“, dass sie existiert, nicht weil mir das jemand erzählt hat, sondern weil ich meinen letzten Tod in einer schamanischen Ayahuasca-Reise noch einmal erlebt habe. (Wobei „Wissen“ ja auch nur eine bestimmte Form von Glauben ist)

3-4% aller Deutschen, haben schon eine Nah-Tod-Erfahrungen gemacht. Das Entspricht 2-3 Millionen Menschen. Sie sagen, dass sie ihren Körper verlassen haben und sich von außen sehen konnten. Sie sprachen, von einem Licht, einem Tunnel und einem unbeschreiblichen Gefühl. Es gibt noch viele, die das gerne als Halluzinieren des Gehirns hinstellen. Aber ich lade dazu ein eure Mitmenschen nach besonderen Erlebnissen zu fragen und ihr werdet erstaunt sein, wieviele Menschen schon besondere Erfahrungen gemacht haben und nur noch nicht drüber reden, weil sie Angst haben in eine Ecke gestellt zu werden. Eins meiner Ziele ist es, dass es normaler wird über solche Erfahrungen zu sprechen, ohne Angst haben zu müssen sozial sanktioniert zu werden.

In der spirituellen Szene habe ich verschiedene Perspektiven kennen gelernt.

Sogenannte Nondualist_innen sehen bspw. alles wertfrei. Es gibt kein Gut und kein Göse.  Keine schlechten oder guten Gefühle oder Erfahrungen. Wir haben uns die Erfahrungen ausgesucht, die wir machen und wenn dein Kind entführt wird, dann gehört das halt zum großen Spiel dazu. Oft höre ich von erwachten Menschen, dass Spiritualität dann anfängt, wenn du nicht mehr wertest. (Dieser Absatz stellt Nondualist_innen und erwachte Menschen verkürzt da, da ich nur kurz ein Bild kreieren möchte)

Diese Linie fand ich dann doch ein bißchen dogmatisch. Irgendwann habe ich mir dann wieder erlaubt mich nicht mehr dafür zu bewerten, dass ich bewerte. Es ist OK. Das Bewerten, das da ist, möchte auch angenommen werden.

Jetzt würde ich gerne den Begriff mal etwas von der Phrasenebene „alles ist spirituell“ runterbrechen darauf wie er ja von mir auch in der gesellschaftlichen Kommunikation verwendet wird.

Spiritualität ist für mich den Focus auf das Innere zu legen. Auch wenn es dann später wieder heißt es gibt keine Trennung zwischen dem Inneren und dem Äußeren, so existiert ja erst einmal eine Art Trennung. Das sogenannte Ego, das hier existiert, damit wir in dieser Inkarnation eine Identität haben. Spiritualität ist dann wieder ein Suchen und Finden. Ein Heilen, Verändern wollen, Intentionen setzen, resonieren, annehmen, integrieren, fühlen, spüren, erleben, releasen, begegnen mit dem Ziel ein höheres Bewusstsein zu erlangen.  Und mit höherem Bewusstsein meine ich, dass irgendwann das Verständnis aufgebaut wird, dass wir mehr sind als unser Verstand, mehr als unser Ego, mehr als das was wir glauben zu sein. Die Auseinandersetzung mit unserem Körper, unseren Chakren, den Glaubensmustern, den Gefühlen und Emotionen, dem Unterbewusstsein und einer Verbindung mit dem (inneren) Universum/(inneren) Göttlichen/der Seele. Ergänzen möchte ich noch, dass ein zentrales Element meines aktuellen Weltbildes sich hinter dem Begriff Karma verbirgt, ich darauf aber jetzt nicht eingehe.

Für mich gibt es eine Abgrenzung zur Esoterik. Daneben möchte ich auch noch die Bereiche Exopolitik, und Verschwörungstheorien setzen. Diese Bereiche legen eher den Fokus auf Wissen und inhaltliches Auseinandersetzen. Du kannst dran glauben oder es für Blödsinn halten. Bei spirituellen Angeboten wie Körperarbeit, Meditation, Heilarbeit, Begegnung usw. geht es meist darum Räume zu kreieren, welche es dir erlauben in eine tiefere Erfahrung zu gehen und deine eigenen Prozesse durchzumachen und das Erfahrene zu integrieren. Bei allem was ich so als spirituell bezeichne geht es immer darum, dich raus aus Konzepten hinein in (den Körper +) den  Moment zu bringen. Dann wenn Illussionen von Vergangenheit und Zukunft etwas losgelassen werden, dann öffnet sich ein Feld, das dich zu einem tieferen Eigenbewusstsein hinbegleiten kann.

Auch Religionen können sehr trennend sein. Solange Menschen an ein Gottesbild glauben, das ihnen eine Religion vermittelt hat, solange sind diese Menschen m.M. nach in einem Dogma, in einem Glaubensmuster. Solange sie nur aus Routine ein Gebet mitmachen ist es nur eine kulturelle und identitäre Erfahrung. Die göttliche Erfahrung fängt nach meiner Erfahrung da an, wo der Glauben losgelassen wird und sich Menschen für die eigenen inneren Erfahrungen öffnen. Das kann auch in und nach einem tiefen Gebet passieren.

Ich persönlich benutze gerne den Begriff „das Universum“. Es hat eine spirituelle und weltliche Komponente und deutet darauf hin, dass es keine Trennung vom Materiellen und vom Spirituellen gibt. Materie ist nur eine Illusion. Es ist nichts festes. Egal wie kleinteilig wir uns anschauen woraus wir bzw. Materie bestehen/besteht. Es wird immer noch etwas ungreifbareres entdeckt. Mittlerweile ist die Wissenschaft schon bei den Quanten angekommen. In dieser Größenordnung geht es nicht mehr um Masse, sondern um Energie und Wellen. Die Forschung ist soweit, dass sie sagen kann, dass Gedanken Quanten beeinflussen kann. Das ist der Beweis, dass es keine Trennung zwischen Materie und geistiger Energie gibt.
Es gibt auch keinen Gott da oben. Das Universum hat kein Zentrum. Das Universum ist überall. Es ist nicht nur da draußen, es geht mitten durch dich hindurch, durch deine Gedanken, Gefühle, Organe, Zellen und Atome und es verbindet alles mit allem auf verschiedenen Dimensionsebenen.
Genieße diese Kreation, die wir Leben nennen. Es ist unbeschreiblich schön, dass wir in dieser Form existieren und dass wir aus dieser Menschenform heraus mit unseren Sinnen, unserem Verstand, einem Gedächtnis, einem Körper unser Universum erforschen können.

Ich bin sehr dankbar dafür.

Aho

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